In dem Buch von Rolf Michaelis, Ukrainer in der Waffen SS, Die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (ukr. Nr.1) kommt auf Seite 107 ein Zeitzeuge zu Wort, welcher die Anwesenheit großer Teile der ukrainischen Division im Raum Radstadt-Flachau nördlich des Tauernpasses bestätigt.
Er gehörte zum deutschen Personal im Stab des Waffen-Grenadier-Regiments der SS 29 und in seinen Erinerungen bfanden sie sich in englischer Gefangenschaft. Hierin muß er sich aber irren, denn Radstadt nördlich der Tauern, gehörte zum amerikanischen Sektor und somit befanden sie sich in amerikanischer Gefangenschaft. Auch seine Aussage, die Masse der Division befand sich im Raum Radstadt-Flachau ist offenbar typisch für Augenzeugen, welche die Truppenteile der Division entweder auf der Südseite des Tauernpasses bei Tamsweg oder auf der Nordseite bei Radstadt sahen. Jeder glaubte die Masse gesehen zu haben, denn am 10.Mai 1945 wurde die Division durch die Sperrung des Tauernpasses in fast zwei gleiche Hälften getrennt. Von 20.000 Ukrainern befanden sich schließich etwa 10.500 nördlich des Tauernpasses bei Radstadt und etwa 9.500 südlich des Passes bei Tamsweg.
Nach Aussagen eines Adjutanten von Hermann Göring hatte die SS den Pass auf Befehl der Amerikaner gesperrt. Vielleicht sahen sich die Amerikaner von der großen Zahl Kriegsgefangener, welche den Pass Richtung Norden überschritten logistisch Überfordert und dachten, dass auch die Briten ihren Teil an Kriegsgefangen südlich des Passes übernehmen sollten.
Der Zeitzeuge berichtet weiter, dass im Sommer 1945 von den Amerikanern der Befehl kam alle Ukrainer zu entlassen und das deutsche Personal schrieb in Tag und Nachtschichten Entlassungsscheine für die Ukrainer. Anhand dieser Aussage kann man nachvollziehen, dass es sich um viele Tausend Ukrainer gehandelt hatte, welche vorzeitig und großzügig entlassen wurden. Dem deutschen Personal wurde erklärt, die Ukrainer würden in den Raum München entlassen. Die Entlassung der Ukrainer war merkwürdig, da das deutsche Personal bis 1947 oder 1948 in Gefangenschaft blieb und auch die Ukrainer in Rimini erst 1947 nach England überführt wurden, welches heute noch heftig diskutiert wird.
Was veranlaßte die Amerikaner im Sommer 1945 die etwa 10.500 Ukrainer im Raum Radstadt zu entlassen?
Sicherlich waren ihnen die Ukrainer nicht plötzlich an das Herz gewachsen, der amerikanische Grußmut mußte einen anderen Hintergrund gehabt haben. Auch die Aussage, dass die Ukrainer in den Raum München entlassen wurden brauchen wir nicht weiter zu beachten, denn ihr wirkliches Ziel lag sicherlich ganz woanders.
Alle Informationen über den Verbleib der Ukrainer waren vermutlich nur Ablenkungs-und Täuschungsmanöver um den Sowjets den tatsächlichen Aufenthalt und die Identität der Ukrainer zu verschleiern, denn auf der Konferenz von Yalta forderte Stalin mit Nachdruck die Herausgabe der ukrainischen Division. Daher verbreitete man bewußt die Meldung, die Masse der ukrainischen Division befände sich in Rimini, da man glaubte die Sowjets hätten im allgemeinen Rückzugschaos der deutschen Streitkräften den Übergang großer Teile der ukrainischen Division über den Tauernpass Richtung Radstadt nicht mitbekommen. Diese Falschinformation erfolgte zum Schutz der Ukrainer und der "Operation Gladio".
Nach dem Ende des Krieges gab es zwei merkwürdige bevorzugte Massenentlassungen ehemaliger Feinde aus alliierten Kriegsgefangenenlagern, welche vermutlich miteinander zu tun hatten.
Zum einen waren es die ukrainischen Waffen SS Soldaten aus dem Raum Radstadt im Sommer 1945 und die andere war die großzügige Entlassung französischer Angehöriger der Wehrmacht und Waffen SS, die Malgres-Nous, aus sowjetischen Lager im Spätsommer/Herbst 1945.
Auch Josef Stalin ließ diese Franzosen sicherlich nicht ziehen, da sie ihm lieb und teuer geworden waren.
Beide Seiten bezweckten oder belohnten Etwas mit den großzügigen Entlassungen.
Die amerikanische Seite betrachteten im aufkommenden Kalten Krieg die Ukrainer der Waffen SS als verlässliche Kämpfer gegen den Kommunismus. Die britisch-amerikanische Seite begann seit Kriegsende mit dem Aufbau einer geheimen antikommunistischen Armee mit dem Decknamen "Operation Gladio". Diese "stay behind forces" sollten in einem Konflikt mit der Sowjetunion hinter deren Linien operieren.
Die Existens dieser Gladioarmeen war hoch geheim und wird heute noch geleugnet, aber die Sowjets wußten vermutlich genau bescheid darüber.
Die Amerikaner dachten wohl im Sommer 1945, dass die Ukrainer in Radstadt vor den Sowjets verborgen waren und sie betrachteten sie offenbar sehr geeignet für die Aufstellung einer ukrainischen Freiwilligenarmee im Rahmen der Operation Gladio.
Jedoch hatten die Sowjets ihre Spitzel und sie ließen sich nicht täuschen.

Stalag VII A Moosburg und andere Kriegsgefangenenlager
Stalag VII A Moosburg and other POW camps
Stalag VII A Moosburg et autres camps de prisonniers de guerre
