Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Bild Stalag VII A Moosburg und andere Kriegsgefangenenlager
Bild Stalag VII A Moosburg and other POW camps
Bild Stalag VII A Moosburg et autres camps de prisonniers de guerre

Moderator: Jordi

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 19.11.2007, 19:37

Info zur Seite:
www.moosburg.org/info/stalag/stalag12fz.html

Verfahren wegen Aussonderung und Liquidierung von damals untragbaren sowjetischen Kriegsgefangenen (sowjetische Kommissare) im Stalag XII F Forbach, der Staatsanwaltschaft Ludwigsburg 1968-1977.

Da Johannis-Bannberg-Bolchen das eigentliche Russenlager im Bereich des Stalag XII F Forbach war, und dort angeblich von einer französisch-sowjetischen Delegation 206 Massengräber mit geschätzten 22.000 sowjetischen Opfern im November 1945 entdeckt wurden, konzentrierte sich das Verfahren der Staatsanwaltschaft auf das Zweiglager Johannis-Bannberg-Bolchen.
Da unter den sowjetischen Gefangenen naturgemäß nur eine geringe Anzahl von sowjetischen Kommissaren waren, ist es unverständlich warum die Staatsanwaltschaft angesichts von 22.000 Opfern ein Verfahren wegen Aussonderung und Liquidierung von damals untragbaren Gefangenen, also sowjetische Kommissare, überhaupt einleitete.
Der Tod dieser Massen mußte eine andere Ursache gehabt haben, denn schon der damalige SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Anton Dunkern, damals Befehlshaber der Sipo und des SD im Gau Westmark gab 1975 zu Protokoll, daß die Gefangenen auf dem Weg vom Osten zum Westen sehr viele Lager durchliefen, in welchen bereits die Kommissare ausgesondert wurden. Es war nur mehr ein Zufall daß sowjetische Kommissare bis in die Lager des Westens gelangten.
Trotz dieser Anstrengungen von NS-Behörden gelangte aber trotzdem Kommissare in die Stalags des Westens. Es handelte sich aber dabei nicht um Massen von Menschen, sondern um eher wenige Individuen.
Wenn es also dennoch zum Auffinden von sowjetischen Kommissaren in den Stalags im Westen kam, so wurden diese im Wehrkreis XII Wiesbaden dem KZ Buchenwald überstellt und in einer Genickschußanlage getötet und schließlich eingeäschert. Keinesfalls wurde dieser Personenkreis in den Stalags liquidiert und dort verscharrt.
Eine Ausnahme im Wehrkreis XII war die Ermordung von 70 sowjetischen Kommissaren im KZ Hinzert (Hunsrück), welche vom Truppenübungsplatz Baumholder überstellt wurden.
Die Opferzahl im Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen ist mit angenommenen 22.000 sowjetischen Opfern sehr hoch, und eine ebenfalls erwähnte Opferzahl von bis zu 30.000 ist fast unvorstellbar.
Diese Opfer sollen in mindestens 206 Massengräbern anonym verscharrt worden sein, und nach Zeugenaussagen wurde zusätzlich jeden Morgen eine Karre voller Leichen im Wald den Füchsen zum Fraß ausgelegt.
Die moderne Geschichtsforschung kann eine solche Praxis, auch für die berüchtigten Russenlagern nicht bestätigen.
Jedes Todesopfer wurde sorgfältig mit allen persönlichen Daten in den Akten vermerkt und den Anweisungen entsprechend beerdigt, d.h.die Opfer wurden in Papiersäcken ohne großes Aufsehen bestattet.
Auch der deutschen Staatsanwaltschaft war während dem Verfahren von 1968-1977 offenbar klar, daß die Deutschen ihre Arbeitssklaven nicht in Massen sinnlos verhungern ließen oder liquidierten.
Es mußte eine andere Ursache für das Massensterben von sowjetischen Gefangenen gegeben haben.
Das Verfahren zur Aussonderung und Liquidierung von damals untragbaren sowjetischen Kriegsgefangenen war offenbar nur ein hilfloser Akt dem Rätsel der Toten des Lagers Johannis-Bannberg-Bolchen /
Le camp du Ban-Saint-Jean auf die Spur zu kommen.

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 30.11.2007, 22:09

Die Befreiung des Lagers durch US-Truppen am 25. November 1944.

Als die Amerikaner im Lazarett Johannis Bannberg eintrafen, befanden sich außer Polen und Serben noch 1.325 schwerkranke russische Gefangene im Lager. Für diese Russen war es keine echte Befreiung, denn nach einer Weile in US-Gewahrsam wurden sie getreu dem Abkommen von Yalta den Sowjets überstellt. Dies bedeutete, daß sie lediglich das Gefangenenlager wechselten,
vom deutschen Stalag für viele Jahre in die sowjetischen Gulags nach Sibierien.
Stalin hatte alle sowjetischen Kriegsgefangenen zu Feiglingen und Verrätern erklärt, welche dafür nach ihrer Rückkehr zu bestrafen waren.
Auch die zivilen Zwangsarbeiter gerieten unter den Generalverdacht, freiwillig für den Feind gearbeitet zu haben.
Der Befehl Stalins war den russischen Kriegsgefangenen bekannt und in den Stalags wurde er ihnen erneut vorgelesen.
Auch Stalins Sohn traf die volle Verachtung des Vaters, da er sich in deutscher Kriegsgefangenschaft befand. Er sah nur den Ausweg sich durch Selbstmord zu rehabilitieren.
Noch schlimmer traf es die Hilfswilligen (Hiwis) und russische Propagandisten, welche mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten.
Sie wurden wegen Hochverrat zu 25 Jahren Zwangsarbeit oder mit dem Tode bestraft.
Es ist daher anzunehmen, daß die russischen Gefangenen bei der Befreiung im November 1944 ihrem weiteren Schicksal eher skeptisch entgegen sahen. Viele hatten sicherlich auch die Hoffnung, daß sie nicht ausgeliefert würden, denn sie kannten ja die geheimen Vereinbarungen von Yalta nicht. Darin verlangte Stalin die Auslieferung von allen ehemaligen Sowjetbürgern und er untermauerte seine Forderung mit der Geiselnahme von Tausenden westalliierter ehemalige Kriegsgefangene aus den deutschen Stalags im Osten.
Für die Auslieferungen (Repatriierungen) "befreiter" russischer Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erhielt die Sowjetunion offiziell 135 Lager in Frankreich zur Verfügung gestellt. Einige waren exterritoriale sowjetische Lager auf französischem Boden, und selbst französischen Verbindungsoffizieren wurde der Zutritt verweigert.
Schlimme Zustände sollen in diesen Lagern geherrscht haben, Folter und Mord waren an der Tagesordnung.
Außerdem operierten auf französischem Boden sogenannte sowjetische
"Kommandanten Kommandos".
Ihre Aufgabe bestand, in der "Realisierung von wichtigen Aufgaben, wie der Umgang mit goßer widerspenstiger Beute." *
Gemeint ist die Jagd nach Menschen im Auftrag von Josef Stalin, insbesondere nach großen Gruppen von "Verrätern", welche sich der Repatriierung widersetzten oder versuchten sich in anglo-amerikanischen Schutz zu retten.
Die französischen Behörden unterstützten die sowjetische Seite tatkräftig in ihren Bemühungen, alle Sowjetbürger auf französischem Boden zu ergreifen, und sie Stalin auszuliefern, denn auch viele Franzosen befanden sich unter den westalliierten Geiseln in der Hand Stalins.

Die Massenmorde an sogenannten "Verrätern" in der Nachkriegszeit auf Befehl von Stalin und Tito, werden als "außergerichtliche Nachkriegstötungen" bezeichnet und damit verharmlost.


*Quelle:
Ulrike Goeken-Haidl
"Der Weg zurück"
Die Repatriierung sowjetischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener.
Klartext Verlag, Essen 2006

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 02.12.2007, 13:17

Französisch-sowjetische Delegation besichtigt das Lager Ban-Saint-Jean am 16. November 1945

Die sowjetischen Offiziere Colessoff, Livow und Scharkoff sowie der Attaché
der sowjetischen Botschaft in Paris M. Petroff bildeten die sowjetische Seite der Delegation, welche die Massengräber in Ban-Saint-Jean besichtigten.
Fotographien dieser Besichtigung sind überliefert und insbesondere eines dieser Fotos ist sehr merkwürdig und interessant.
Zu finden ist es auf der Seite: www.moosburg.org/info/stalag/stalag12fz.html unter "weitere Bilder",
"Öffnung des Massengrabes 16.November 1945"

Es zeigt die andächtige Schweigeminute der Delegation vor dem großen russisch-orthodoxen Kreuz auf dem Lagerfriedhof von Johannis-Bannberg / Ban-Saint-Jean.
Einer der Sowjetoffiziere salutiert vor diesem Kreuz und den Gräbern der Opfer. Nun wissen wir aber heute, daß die Sowjets ihre Kriegsgefangenen als Verräter und Feiglinge betrachteten und den Tod dieser als gerechte Strafe ansahen. Jeder russischer Kriegsgefangener, welcher in deutscher Kriegsgefangenschaft verstarb, war eine Arbeitskraft weniger für Hitlers Rüstungsindustrie und somit der Tod im Sinne Stalins.
Stalin hatte verfügt, daß kein sowjetischer Soldat lebendig in deutsche Kriegsgefangenschaft gehen sollte. Er erwartete von seinen Soldaten den kollektiven Selbstmord und nicht den Gang in die Gefangenschaft.
Auch das Salutieren vor dem russisch-orthodoxen Kreuz wäre in Russland ein Akt des Hochverrates und Stalin hätte nicht gezögert diesen Offizier erschießen zulassen.
Nun stellt sich die Frage, was veranlaste einen gottlosen Sowjetoffizier , welcher von Stalin geschickt wurde, "Verräter und Feiglinge" zu ehren und der russisch-orthodoxen Kirche militärische Ehren zu erweisen?
Beging er gleich doppelten Hochverrat oder war alles nur ein Schauspiel für die französische Presse auf den Massengräbern des Ban-Saint-Jean?

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Re: Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon mane » 02.12.2007, 13:55

Hallo,
Zimmer hat geschrieben:Zu finden ist es auf der Seite: www.moosburg.org/info/stalag/stalag/12fz.html unter "weitere Bilder",
"Öffnung des Massengrabes 16.November 1945"


Leider stimmt der Link nicht. Es dürfte
www.moosburg.org/info/stalag/stalag12fz.html
sein.
Servus
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Jordi
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Re: Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Jordi » 02.12.2007, 17:18

mane hat geschrieben:Leider stimmt der Link nicht. Es dürfte www.moosburg.org/info/stalag/stalag12fz.html sein.

Danke für den Hinweis. Hab's geändert.
Werner Schwarz (Moosburg Online)

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 07.12.2007, 19:52

Die mysteriösen ukrainischen Gedenksteine oder Grabsteine in Frankreich:

Für 22.800 Ukrainer, Ban-Saint-Jean / Johannis Bannberg, verschwunden 1980

Für 3.600 Ukrainer, Boulay/Moselle,jüdisch-sowjetischer Friedhof, ebenfalls zunächst verschwunden und wiedererrichtet 2001.

Für 120 Ukrainer, ziviler Friedhof Metz/Chambière neben dem militärischen Friedhof, abgetrennt durch eine Hecke.

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 08.01.2008, 16:55

Informationen zu den Kriegsgefangenenzahlen des Stalag XII F Forbach:

01.09.1943 gesamt 49.015 davon 23.633 russ. Kriegsgefangene

01.12.1943 gesamt 75.134 davon 28.013 russ. Kriegsgefangene

01.06.1944 gesamt 76.516 davon 29.028 russ. Kriegsgefangene

01.08.1944 gesamt unbek. davon 29.346 russ. Kriegsgefangene


Die Kriegsgefangenen waren in den vielen Arbeitskommandos des Gau Westmark im Arbeitseinsatz und nicht in dem Stalag XII F und dessen Zweiglagern sinnlos eingesperrt.
Lediglich arbeitsunfähige und neuankommende Kriegsgefangene befanden sich in den Lazaretten und sonstigen Quartieren.
Die gnadenlose Ausbeutung der Arbeitskraft der Kriegsgefangenen in Bergwerken, Stahlwerken und sonstigen Betrieben war oberstes Ziel des NS-Staates.
An Hand der nachweisbaren Belegungszahlen des Stalag XII F ist es unverständlich, daß in Frankreich behauptet wird, 100.000 sowjetische Kriegsgefangene wären allein durch das "Russenlager" Johannis Bannberg geschleust worden.
Der absolute Zahlengipfel entstammt aber einem sowjetischen Magazin vom Juli / August 1974.
Die Ausgabe mit der Nr.316-317 berichtet auf Seite 100, daß 1941-44 320.000 sowjetische Kriegsgefangene das Stalag bei Bolchen durchliefen und davon 35.000 durch Torturen oder Exekutionen ermordet wurden.
(Gemeint ist nur das Zweiglager Johannis-Bannberg-Bolchen.)

Diese Angaben sind völlig aus der Luft gegriffen, denn auch das deutsch-russische Museum in Berlin-Karlshorst stellt fest, daß höchstens 1 Million sowjetische Kriegsgefangen in die Stalags im Reich transportiert wurden.

Zimmer

Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 09.01.2008, 22:29

Der Standort Bolchen.

Bis heute ist es offenbar ein Streitpunkt, wo der Standort des Zweiglagers Johannis-Bannberg mit der Zusatzbezeichnung Bolchen überhaupt war.
Ich denke es ist hinreichend belegt, daß das ehemalige französische Militärcamp Ban-Saint-Jean der Standort des Stalag XII G Johannis Bannberg-Bolchen war. Auch den Einheimischen in den umliegenden Dörfen des Ban-Saint-Jean ist dies bekannt.
Nur die französischen Stalaglisten im Internet sprechen immmer noch von einem Zweiglager des Stalag XII F in Bliesmengen-Bolchen, Saar-Pfalz-Kreis im Saarland. Dort aber gab es kein "Russenlager" Johannis Bannberg. Bei Bliesmengen-Bolchen waren lediglich russische Kriegsgefangene auf den umliegenden Bauernhöfen im Arbeitseinsatz.
Sogar der Suchdienst des Roten Kreuzes in München und das IKRK in Genf behaupten heute, sie hätten keine Kenntnis von der Existenz dieses Lagers, obwohl Akten darüber beim Bundesarchiv Ludwigsburg und im Militärarchiv Freiburg vorhanden sind.
Dies ist alles sehr merkwürdig und daher kein Wunder, daß das Lager Ban-Saint-Jean / Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen heute als die "Geisterstadt Boulay" bezeichnet wird.
War es gezielte Desinformation der Nachkriegszeit, das Zweiglager Johannis Bannberg mit dem Standort Bliesmengen-Bolchen anzugeben?
Wollte man in Frankreich mit dem großen Russenlager Johannis Bannberg nicht in Verbindung gebracht werden?
Was bewegte die Geschichtsschreibung dazu, das Lager zu vergessen und sogar den wahren Standort zu verschleiern?

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Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 10.02.2008, 22:15

Resolution des Europarates in Straßburg zur Verurteilung kommunistischer Verbrechen.
http://de.clearharmony.net/articles/200602/29307.html

Im Januar 2006 verabschiedeten Parlamentarier aus 46 europäischen Ländern im Europarat in Straßburg eine Resolution zur Verurteilung kommunistischer Verbrechen.
Die Resolution verlangt die Durchführung einer gründlichen Aufarbeitung der Verbrechen von totalitären kommunistischen Regimen, welches bis dahin noch nie vorgenommen wurde.
NS-Verbrechen dagegen sind weitgehend aufgearbeitet und international verurteilt.
Der Europarat ist der Ansicht, dass die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen ebenso notwendig ist, damit sich die Geschichte nicht wiederholt, und den Familien der Opfer eine moralische Wiedergutmachung zukommen sollte.
Die Resolution fordert darüber hinaus auch den Bau von Monumenten für die Opfer von totalitären kommunistischen Regimen.

Wer bisher der Ansicht war er verhalte sich "politisch korrekt", wenn er die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen behindert und bewußt unterläßt, befindet sich auf einem Irrweg, denn nach der Resolution des Europarates ist es erwünscht und somit durchaus "politisch korrekt" gerade auch kommunistische Verbrechen öffentlich zu machen und zu ächten als Mahnung für kommende Generationen.

Daher fordere ich die Geschichtswissenschaft auf, sich getreu der Resolution des Europarates, vorbehaltlos der geschichtlichen Aufklärung des Militärcamps Ban-Saint-Jean, dem ehemaligen Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen anzunehmen und wissenschaftlich zu untersuchen ob NS-Verbrechen oder stalinistisch-kommunistische Verbrechen dort verübt wurden.

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Re: Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Jordi » 11.02.2008, 19:05

Werner Schwarz (Moosburg Online)

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Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 12.03.2008, 18:46

Französisch-sowjetische Delegation besichtigt das Lager Ban-Saint-Jean am 16. November 1945.
Eine Leiche in deutscher Uniform wurde entdeckt.

Unter der Aufsicht der französisch-sowjetischen Delegation und unter den Augen von Reportern der Zeitung, Courrier de Metz, wurden deutsche Kriegsgefangene am 16. November 1945 gezwungen die Massengräber auf dem Ban-Saint-Jean zu öffnen.
Dabei wurde eine Leiche ausgegraben, welche eine deutsche Uniform trug und nach Augenscheinnahme der Reporter deutliche Spuren eines Genickschusses aufwies.
Wie bereits in der Moosburgseite erwähnt, erklärte man sich diese Leiche mit der Brutalität der Deutschen auch gegen ihre eigenen Landsleute.
Es gibt keine klaren Aussagen darüber ob danach noch weitere Leichen geborgen wurden und was mit dieser Leiche geschehen ist.
An der deutschen Uniform befand sich nach französischer Auskunft das Eiserne Kreuz und die "Ostmedaille des Volontaires".
Hierbei handelte es sich höchtswahrscheinlich um die Tapferkeits-und Verdienstauszeichnung für Angehörige der Ostvölker im Dienst der deutschen Streitkräfte.
Es ist sehr merkwürdig, daß die Reporter auf Anhieb die deutsche Uniform und die Orden genau erkennen konnten und sogar deutliche Spuren eines Genickschusses feststellen konnten.
Dies ist daher merkwürdig, da die Deutschen im November 1944 das Lager entgültig geräumt hatten und die "Exhumierung" ein Jahr später statt fand. Ich möchte bezweifeln, dass es auf Anhieb möglich ist, an einer 1. Jahr alten Leiche, welche in schlammiger Erde vergraben war, festzustellen welches die genaue Todesursache war und mit welcher Uniform mit Orden man es hier zu tun hat.
Meiner Ansicht nach muß es sich um eine sehr frische Leiche gehandelt haben.
Auch die Hinrichtungsart durch Genickschuß, läßt eher die Handschrift des sowjetischen Geheimdienst NKWD erkennen, denn Hinrichtungen durch Genickschuß waren beim NKWD üblich.
Auch das Opfer, vermutlich ein Angehöriger der Ostvölker, entsprach dem Beuteschema des NKWD.
Hatte man damals nicht mehr weitere Leichen geborgen, da sie fast alle aussehen konnten wie die erste Leiche?
Aber wenn der NKWD mit diesem Massaker etwas zu tun hatte, warum inszenierte man diese "Exhumierung" ?
Ich möchte dazu folgende Überlegung darlegen:
Im November 1945 begann der Nürnberger Prozeß und die Sowjets waren sehr besorgt darüber, ob die Massenmorde von Katyn dort zur Anklage kämen. Um die Westalliierten davon abzubringen inszenierte man die "Exhumierung" auf dem Ban-Saint-Jean, denn nach alter Weisheit muß der, welcher die Leichen im Keller hat erklären wie sie dort hingekommen sind. Die "Exhumierung" führte Frankreich und den anderen Westalliierten klar vor Augen, was ein internationales Expertenteam finden könnte.
Die Sowjets hätten natürlich jegliche Beteiligung daran vehement geleugnet.
Diese Androhung könnten zu einem "Gentleman Agreement" geführt haben :
Die Deutschen sind verantwortlich für alle Toten auf dem Ban-Saint-Jean.

Zimmer
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Beitragvon Zimmer » 11.04.2008, 18:12

Französisch-ukrainische Aktivitäten nach 2003:


26. September 2004

Feier zum 60. Jahrestag der Befreiung der Lager Ban-Saint-Jean und Boulay. (tatsächliche Befreiung 25.November 1944)
Kranzniederlegung auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in Boulay, an dem Gedenkkreuz für 3.6oo ukrainische Opfer, durch den Militärattachee der Ukraine und den ukrainischen Botschaft in Paris und bei den Vereinten Nationen Yuriy Sergeyev.

5. Oktober 2004

Veröffentlichung von Forderungen der AFU (französisch-ukrainische Vereinigung) u.a. Wiedererrichtung des Friedhofs auf dem Ban-Saint-Jean, internationale Anerkennung als Gedächnisort.
Bei Erfüllung der Forderungen keine weiteren politischen, philosophischen oder religiöse Aktivitäten mehr.


Juli 2005

Der giechisch-katholische Geistliche Monseignore Paul Kohout, ein ehemaliger Kommilitone des Papst Benedikt XVI, reist zu dem Weltjugendtag nach Köln um den Papst persönlich zu treffen.
Er informiert den Papst über das Lager Ban-Saint-Jean und läd ihn ein zur Gedenkfeier. ("Der Papst ist aber leider nicht gekommen")
http://monsite.wanadoo.fr/bansaintjean/page8.html

Ein menschlicher Schädel wird auf dem Ban-Saint-Jean gefunden.
Dies widerlegt die offizielle Darstellung von 1980: alle Opfer wurden geborgen.


27. August 2005

Kranzniederlegungen in Boulay und auf dem Ban-Saint-Jean durch den Konsul der Ukraine und Repräsentanten der Ukraine beim Europarat in Straßburg.


1. Oktober 2005

Gedenkfeier zum 60.Jahrestag am Gedenkkreuz für 120 Ukrainer auf dem Friedhof Metz-Chambiere.


22. November 2006

Monseignore Paul Kohout verstorben.
Der griechisch-katholische Geistliche betreute seit 1952 den ukrainischen Friedhof auf dem Ban-Saint-Jean. (1980 beseitigt)

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Beitragvon KOHTAKTbI » 24.06.2008, 11:27

Ich bin bei einér Recherche zu einem Bericht eines im Lazarett Johannis Bannberg internierten sowjetischen Kriegsgefangenen auf dieses Forum gestoßen und bin erstaunt über die Argumentation. Es ist inzwischen bekannt, dass die Zahl der Toten in Massengräbern der Stalags nach 45 weit überhöht angenommen waren. Siehe Uwe Mai: Kriegsgefangen in Brandenburg zum Stalag IIIA Luckenwalde. Ich zweifle deshalb die Zahl 20.000 an. Le-Ban-St. Jean war Lazarett, natürlich gab es viele Tote, und ja, die Deutschen haben die zwangsarbeitenden sowjetischen und italienischen Kriegsgefangenen so behandelt, dass sie starben. Im Ruhrbergbau rechnete man mit fünf Monaten Überlebenszeit (home-page Stalag VI K Hemer). Es gibt keine Berichte darüber, dass die Rote Armee befreite Kriegsgefangene, noch dazu nicht im sowjetisch besetzten Territorium, massenhaft liquidiert hat. Fast alle repatriierten sowjetischen Kriegsgefangenen sindin der Sowjetunion diskriminiert worden, ca. 10% in Lagern inhaftiert worden. Wenn man Berichte ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener List (uns liegen ca. 2.000 vor) kann man verstehen, dass aus Gefangenen rekrutierte "Polizisten" streng bestraft wurden. Weshalb also die Empörung vornehmlich über die Rote Armee und nicht über die Wehrmacht, die solche Lager unterhilet?

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Stalag XII G Johannis-Bannberg-Bolchen

Beitragvon Zimmer » 24.06.2008, 18:57

Vielen Dank für Ihren Beitrag.
Es ist zutreffend und bekannt, daß nach 1945 die Opferzahl in den Stalags überhöht dargestellt wurden.
Nach Zeugenaussagen 1944 sollen auf dem Lagerfriedhof ca. 5-6000 sowjetische Soldaten beigesetzt worden sein, aber ein Jahr später, im November 1945 entdeckte man 206 Massengräber mit geschätzten 22.000 Opfern, welche hauptsächlich Ukrainer gewesen sein sollen.
Diese Opferzahl und sogar noch etwas mehr hat sich in den Köpfen der Menschen in der Region eingeprägt und seit etwa 2001 bemüht sich eine französisch-ukrainische Vereinigung darum den Friedhof für mindstens 23.000 Opfer wieder errichten zu dürfen.
Die französisch-ukrainische Vereinigung (AFU) hält unbeirrt an dieser Opferzahl fest und sie behaupten auch weiterhin stur, daß die Masse der Opfer Ukrainer waren, obwohl ihnen vermutlich klar ist, daß sie eine solche Opferzahl den Deutschen nicht historisch nachweisbar anlasten können.
Selbst die ukrainische Botschaft in Berlin bestätigte 2005 den Vorwurf, daß etwa 22.000 Sowjetsoldaten, darunter die meisten Ukrainer in dem Lager durch Hunger, Folterungen und Krankheiten umgekommen sind.
Wenn alles nur sowjetische Propaganda der Nachkriegszeit war, warum bestehen die Menschen heute noch auf diese Opferzahl und warum verweigert der französische Staat jegliche Grabungen in diesem Gebiet?

Dies alles gibt Anlaß zu Spekulationen und nur eine wissenschaftlich Untersuchung dieses Ortes könnte die Wahrheit an das Licht bringen.

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Beitragvon Jordi » 24.06.2008, 20:53

Doppelten Beitrag der besseren Übersicht halber gelöscht.
Werner Schwarz (Moosburg Online)


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